Leopold Mozart und Augsburg

Leopold Mozart wurde am 14. November 1719 als das älteste von neun Kindern des Buchbindermeisters Johann Georg Mozart (1679-1736) und dessen zweiter Ehefrau, der Weberstochter Anna Maria Sulzer (1696-1766), in Augsburg in der heutigen Frauentorstraße 30 geboren. Seine Vorfahren kamen ursprünglich aus dem Westen des heutigen Landkreises Augsburg, dem sogenannten Mozartwinkel.

1721 zog die junge Familie in die Jesuitengasse in ein Haus, das zum Gebäudekomplex des Jesuitenkollegs St. Salvator gehörte. Damit wurde der Dom die Pfarrkirche der Mozarts. Durch die Buchbinderei und das enge Milieu im Augsburger Domviertel war Leopolds Familie täglich im Kontakt zu geistig und künstlerisch aufgeschlossenen Persönlichkeiten. Möglicherweise führte dies dazu, dass der Buchbindermeister seinen Sohn das Gymnasium und das daran anschließende Lyzeum besuchen ließ. Damit ermöglichte er dem jungen Leopold einen weit über seinem Stand liegenden bildungsmäßigen Aufstieg und legte den Grundstein für dessen künstlerisches Wirken.

1729 besuchte Leopold als 'Principista' die erste Klasse des von den Jesuiten geführten Gymnasiums zu St. Salvator. Zu seinen Mitschülern zählten Kinder bedeutender Augsburger Familien, wie der Fugger, Ilsung, Rehling und Imhof. Während seiner Schulzeit (1729-1736) genoss der junge Leopold nicht nur eine anspruchsvolle, umfassende humanistische Bildung - auf dem Lehrplan standen religiöse Fächer, Geschichte, Latein und Griechisch, Logik, Mathematik und Physik -, sondern er wurde auch künstlerisch und musikalisch gefördert.

Bereits im Alter von vier Jahren stand der 'Elementarschüler' Leopold 1724 auf der Schulbühne - bis 1735 folgen sieben weitere Auftritte. In seinen jungen Jahren war Leopold außerdem Sängerknabe in der Basilika St. Ulrich und Afra und in der Stiftskirche von Heilig Kreuz und pflegte das Violin- und das Orgelspiel.

Nach dem Tod seines Vaters 1737 verließ Leopold die Reichsstadt und begann das Jus- und Philosophiestudium an der Benediktineruniversität in Salzburg. Trotz seines Weggangs löste sich Leopold dennoch nie ganz von seiner Heimatstadt. Er besaß zeitlebens das Augsburger Bürgerrecht - und ließ es zweimal (1748 und 1752) vom Rat der Reichsstadt bestätigen.

Es ist vor allem der rege Kontakt zu herausragenden Augsburger Persönlichkeiten, der die Verbindung zu seiner Vaterstadt jahrzehntelang lebendig hielt. Während der Salzburger Jahre pflegte er weiterhin den Kontakt zu seinem Bruder Franz Alois (1727-1791), der als Buchbinder und Kleinverleger in Augsburg tätig war.

Wie die nur teilweise erhaltene Korrespondenz bezeugt, waren sich Leopold Mozart und der Verleger Johann Jakob Lotter II (1726-1804) über Jahrzehnte freundschaftlich und geschäftlich verbunden. Im Geburtsjahr von Wolfgang Amadé 1756 ließ Leopold in Augsburg bei seinem 'Herzensfreund' sein epochenmachendes Lehrwerk unter dem Titel "Versuch einer gründlichen Violinschule" veröffentlichen. Hatte er sich als Komponist längst vielfältig am musikalischen Leben der fürstbischöflichen Residenz in Salzburg beteiligt, so trug die Violinschule in deutschen, holländischen und französischen Ausgaben seinen Ruhm in die gesamte damalige musikalische Welt hinaus.

Des Weiteren pflegte Leopold den Kontakt zu Persönlichkeiten aus dem musikalischen Augsburg, insbesondere aus dem Umfeld des Stiftes Heilig Kreuz. Über Jakob Lotter knüpfte er Verbindungen zu den Mitgliedern des Collegium Musicum – darunter zählten der Domkapellmeister Schmidt, der evangelische Musikdirektor Seyfert sowie der international anerkannte Orgelbauer Johann Andreas Stein.

Seine Heimatstadt besuchte Leopold erst 1755 und dann 1763 auf der ersten Konzertreise mit seinen Kindern Wolfgang Amadé und Nannerl wieder.