Die Violinschule gestern und heute

Dass Leopold Mozart mit seiner "gründlichen" Violinschule ein bahnbrechendes Werk gelungen war, wurde seinen Zeitgenossen schnell bewusst. Deren pädagogischer Wert wurde unmittelbar erkannt, Virtuosen und Dilettanten lernten aus diesem Buch. Die Violinschule machte den bereits als Komponisten bekannten Leopold Mozart sehr schnell zu einer Berühmtheit.

Der 1756 in Augsburg bei Johann Jakob Lotter gedruckten 1. Auflage folgte 1769/70 eine "vermehrte" 2. Auflage mit einer neuen Vorrede sowie mit neuen Notenbeispielen. Die 3. Auflage von 1787 behielt diese Änderungen bei, beinhaltete jedoch die Vorrede der 1. Aufgabe. Die 4. Auflage vom Jahr 1800 war im Hinblick auf die rasche Entwicklung der Geigentechnik jener Zeit schon stark verändert.

Noch zu Lebzeiten Leopold Mozarts begann die Violinschule ihren Siegeszug durch Europa. 1766 brachte Johannes Enschede in Haarlem eine niederländische Übersetzung heraus; 1770 erschien eine französische Übersetzung. Es folgten weitere Übersetzungen, u. a. 1804 ins Russische.

Die Wirkung von Leopold Mozarts Violinschule reicht weit über seine Zeit hinaus. Zweihundertfünfzig Jahre nach seinem ersten Erscheinen übt dieses Werk heute noch eine starke Anziehungskraft aus. Es wurde sehr schnell zu einem Bestseller, was es heute noch ist: Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Violinschule in fünf Ausgaben erhältlich.

Die Universalität der behandelten Probleme, die eine unvergänglich historische, theoretische und instrumental-methodische Bedeutung haben, machen das Buch zu einer unerschöpflichen Quelle – und dies nicht nur für Lernende und Künstler. Für den Musikwissenschaftler ist sie ein nützliches Instrument; dem Musikpädagogen liefert sie instrumentaldidaktische Impulse, die heute noch verwendbar sind.

Leopold Mozarts Violinschule ist nicht nur ein wunderbares, mit Witz geschriebenes historisches Dokument und ein noch immer wertvolles Unterrichtsmittel. Mit dem weltberühmten Salzburger Geiger Benjamin Schmid lässt sich ein weiterer Grund für die Aktualität der Schrift nennen, der "atmosphärische":

Wie in der Literatur soviel zwischen den Zeilen steht oder "der Ton die Musik macht", so kommt man bei dieser Lektüre unweigerlich in die Mozartsche Gedankenwelt hinein mittels Leopold Mozarts erklärungsfreudiger Sprache und seinen übrigens teilweise amüsanten Ausführungen.

(Benjamin Schmid, Vorrede zu Leopold Mozarts Gründliche Violinschule, Erstausgabe der 2. Auflage 1769, Kulturverlag Polzer, Salzburg 2007)