Die Augsburger Mozarts

1643 erwarb der Maurergeselle David Mozart (1620 - 1685) das Bürgerrecht in der Freien Reichsstadt Augsburg. Er stammte aus dem vor den Stadtmauern liegenden Dorf Pfersee, das bis 1816 zu Vorderösterreich gehörte. Seine im Nachbardorf Leitershofen ansässigen Vorfahren kamen ursprünglich aus dem Westen des heutigen Landkreises Augsburg, dem sogenannten Mozartwinkel. David wurde ein gefragter Maurermeister und Barockarchitekt. Er arbeitete unter anderem in Dillingen an der Donau, wo er den Turm der Pfarrkirche St. Peter erhöhte. 1761 wurde er Zunftmeister des Augsburger Maurerhandwerks.

Die Augsburger Mozart waren eine Künstlerfamilie: David Mozarts Kinder und Kindeskinder wurden erfolgreiche Baumeister, Barockarchitekten, Bildhauer, und Buchbinder. Sein ältester Sohn, der angesehene Barockarchitekt und Werkmeister des Augsburger Domkapitels Hans Georg Mozart (1647 - 1719) errichtete das Stiftsgebäude neben dem Augustiner Chorherrenstift St. Georg und den Turm der Pferseer Pfarrkirche St. Michael. Auch außerhalb der freien Reichsstadt führte Leopolds Großonkel zahlreiche Arbeiten aus, zum Beispiel an der Pfarrkirche St. Adelgundis in Anhausen. Er lieferte die Entwürfe für den Neubau des Chores und des Turms der Pfarrkirche St. Blasius in Hirblingen. 1718 war er an umfangreichen Umbauarbeiten am Schloss Wellenburg, das am Rande von Augsburg liegt, verantwortlich.

Auch Hans Georgs jüngerer Bruder Franz Mozart (1649 - 1694) übernahm das Handwerk seines Vaters – dabei war er jedoch nicht so erfolgreich wie sein Bruder. Er wohnte vierzehn Jahre lang in der Fuggerei, die von Jakob Fugger dem Reichen gestiftete Wohnsiedlung für bedürftige Augsburger Bürger. Vermutlich war er hier als Stiftungsmaurermeister tätig. Sein älterer Bruder Michael Mozart (1655 - 1728) machte als Bildhauer Karriere in Wien.

Nach dem Tod seines Bruders Franz Mozart übernahm Hans Georg die Pflegschaft für den Halbwaisen Johann Georg Mozart (1679 - 1736), dem späteren Vater von Leopold Mozart. Der Buchbindermeister Johann Georg Mozart betrieb seine Werkstatt im Handwerkerhaus in der heutigen Frauentorstraße 30. Mit dem Umzug 1721 in die Jesuitengasse wurde der Dom die Pfarrkirche der Mozarts.

Durch die Buchbinderei und das kulturell lebhafte Milieu des Domviertels unterhielten die Mozarts nahe Beziehungen zu bedeutenden künstlerischen und intellektuellen Persönlichkeiten jener Zeit. Möglicherweise führte dies dazu, dass der Buchbindermeister seinen Sohn das Gymnasium und das daran anschließende Lyzeum besuchen ließ. Damit ermöglichte er dem jungen Leopold Mozart einen weit über seinem Stand liegenden bildungsmäßigen Aufstieg und legte den Grund für dessen künstlerisches Wirken.